Die "stimulierende" Einlage

 

Die stimulierende Einlage hat in der Praxis mehrere Namen, die aber im Prinzip den gleichen Einlagentyp bezeichnen:

Propriozeptive Einlagen

Sensomotorische Einalgen

Neuro-Physiologische Einlagen

Afferenzverstärkende und Afferenzvermindernde Einlagen

 

Dieser Einlagentyp hat folgende Aufgaben:

  • Aktive Korrektur von Fehlstellungen
  • Einleitung von neuen Gangmustern
  • Aktivierung oder Hemmung vom Muskeltonus
  • Bessere Wahrnehmung und Inforamtion über die Fußsohle für den Körper
  • Mehr Balance für den Körper
  • Nutzung der vorhandenen propriozeptiven Regelkreise

Die Materialien können sehr unterschiedlich sein.

Je nach Art und Nutzung können wir Ihnen die Einlagen dicker oder dünner fertigen.

 

Eine optimale Anpassung der Einlage an den Fuß ist hier eine Grundvoraussetzung. Eine genaue Palpation und Befundung des Fußes sowie eine Betrachtung des Gangbildes ist unabdingbar. Nur dadurch ist gewährleistet, dass die Höhen und Stärken der einzelnen Einlagenelemente optimal zum Fuß passen.

 

 

 

Wirkungs - Beispiele

 

1. Patientin mit Balanceproblemen / Füße schlagen übereinander

(Overcrossing)

Mit Einlagen setzt die Patientin die Füße nebeneinander auf

 

2. Kind knickt ohne Einlagen im Kniebereich und im Fußbereich stark nach innen

(Knick Senkfuß und dynamisches X-Bein)

Mit den Einlagen ist die Beinstellung deutlich gerader und der Fuß knickt deutlich weniger nach innen ab

 

 

3. Kind läuft ohne Einlagen nur auf Zehenspitzen

(habitueller Zehenspitzengang)

 Kind benutzt mit der Einlage die Ferse beim Gehen

 

Medizinsche Erklärungsansätze

 

Alle Bewegungen in unserem Körper erfordern ein großes Maß an Informationen. Unsere Bewegungsabläufe unterliegen komplizierten Mechanismen von Beschleunigung und Bremsen. Diese Bewegungsmuster können nur funktionieren, wenn sie vom Körper im Kleinkindalter irgendwann entdeckt und eingeübt werden. Jede Bewegung, die wir bewusst steuern, kann nur dann funktionieren, wenn wir diese entdecken, wiederholen und automatisieren. Später muss man nicht darüber nachdenken, welcher Muskel aktiviert werden soll, wenn man seinen Zeigefinger bewegen will. Das wurde als Baby entdeckt, wiederholt und dabei in das autonome sensomotorische Bewegungssystem eingespeichert, also wie in einem Computer, bei dem Sie zwei und zwei zusammenzählen, und die Software erledigt das Rechnen ganz allein.

Dieses sensomotorische System funktioniert nur deshalb, weil in unserem Körper sogenannte propriozeptive Nervenorgane sind, die je nach Art der Sensoren unterschiedliche Wahrnehmungsaufgaben haben.

Das sensomotorische System nutzt nun alle Informationen, um richtige Bewegungen auszulösen. Wenn Sie sich zum Beispiel entscheiden, eine Strecke zu gehen, dann geben die propriozeptiven Nervenorgane die Position der Knochen, die Spannung der Muskeln, wie eng der Schuh geschnürt ist und viele weitere Informationen über den Reflexbogen an die Hirnrinde weiter. Diese verarbeitet alles und gibt dann Informationen an die richtigen Muskeln, um die gewünschte Bewegung zu erhalten. Das bedeutet bei jedem Schritt einen millionenfachen Austausch von Informationen, die nach einem eingespielten, automatisierten Muster funktionieren. Dies funktioniert beim neurologischen oder spastischen Patienten nicht mehr exakt. Was passiert nun? Die Veränderungen im Gehirn haben dazu geführt, dass die Informationen nicht mehr so fließen können, wie es für die richtige und schnelle Verarbeitung der Informationen gebraucht würde, d.h. dass sich ein falsches Bewegungsmuster entwickelt. Es kommt z. B. zu überschießenden Reaktionen.

Die Therapie muss demzufolge darauf abzielen, natürliche Bewegungsmuster zu simulieren. Ähnlich wie bei der Krankengymnastik auf neurophysiologischer Basis versucht wird, normale Muskelspannungen hervorzurufen, versucht auch die Einlage, mit normalen Muskelspannungen normale Bewegungsmuster zu simulieren. Hierbei gibt es eine Vielzahl von individuellen Möglichkeiten in der Einlagenversorgung, die je nach Fußtyp und im Besonderen dem Gangbild entsprechend gefertigt sein muss.

Die bettenden Produkte, die von der konzeptionellen Ausrichtung eher statischer und seltener biodynamischer Natur waren, haben oft die subjektiven Beschwerden beseitigt. Aber die Sensormotorik oder Eigenwahrnehmung wurde nicht berücksichtigt.