Disertation von Frau Dr. Warrelmann

Signifikante Gangbildverbesserung

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Pilotstudie zur Wirkung sensomotorischer Einlagen auf den kindlichen habituellen Spitzfußgang

Der habituelle Spitzfußgang tritt im Kindesalter mit einer Häufigkeit von bis zu 15 Prozent auf. Die davon betroffenen Kinder zeigen sich in der neurologischen Untersuchung unauffällig, d. h. es liegen keine Schädigungen von Hirn und Nerven vor. Häufig handelt es sich um ein temporäres Phänomen, das sich von selbst „verwächst“. Dennoch kann das so veränderte Gangbild, das sich durch eine verstärkte Vorfußbelastung, ggf. sogar ganz ohne Kontakt der Ferse zum Boden, auszeichnet, auf Dauer zu weitreichenden Problemen führen: Bewegungsapparat und Gangsicherheit leiden darunter, Muskeln und Sehnen können sich verkürzen.

Bisherige Therapieansätze umstritten

Bisherige Therapieansätze – Physiotherapie, Orthesen und Einlagen, aber auch operative Eingriffe sowie Injektionen von Botulinumtoxin – zeigten sehr unterschiedliche Erfolge, erwiesen sich überwiegend jedoch als strapaziös für die Patienten. Nun wurde erstmals eine Pilotstudie durchgeführt, die die Wirkung sensomotorischer Einlagen auf den habituellen Spitzfußgang untersuchte – durchgeführt und als Dissertation vorgelegt von Dorothee Warrelmann am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel.

Den sensomotorischen Regelkreis modulieren

Zur Überprüfung der Wirksamkeit funktionsbasierter, also nicht primär passiv bettender, sensomotorischer Einlagen auf den habituellen Spitzfußgang bei Kindern begleitete sie 17 Patienten im Alter von zwei bis zwölf Jahren über sechs Monate. Fünf Mädchen und zwölf Jungen mit neuropädiatrisch diagnostiziertem habituellem Spitzfußgang hatten sich zuvor einer dreimonatigen Physiotherapie unterzogen, ohne erkennbare Befundverbesserung. Im Rahmen der Studie erhielten sie jeweils individuell angefertigte Einlagen, die nach einer eingehenden Untersuchung der Füße und einem Scan der Fußsohle von MBI angefertigt wurden und durch individuelle Druck- und Entlastungspunkte den sensomotorischen Regelkreis modulieren sollen.

Zu drei Zeitpunkten während der Studie – am Anfang, nach drei und nach sechs Monaten – wurden jeweils verschiedene Parameter erhoben: die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks, der Abstand der Ferse zum Boden, gemessen am Standbein während der „Mid-Stance“-Phase, und das Gangbild.

Im Ergebnis deutlich und teilweise statistisch signifikant

Für die Messung der für die Studie relevanten Werte waren unterschiedliche Verfahren und Instrumente zum Einsatz gekommen und teils eigens dafür entwickelt worden. Der nicht nur altersmäßig sehr heterogenen Gruppe der untersuchten Kinder wurden sie nicht alle gerecht. Dennoch ließen sich nach der statistischen Auswertung signifikante Ergebnisse ablesen: Schon nach dreimonatiger Studienteilnahme zeigte sich eine deutliche Zunahme der Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk, die nach sechs Monaten noch anstieg. Sie gilt als Voraussetzung für ein physiologisches Gangbild mit Bodenkontakt der Ferse. Während zu Beginn nur zwei von 17 Kindern wenigstens manchmal und leicht die Ferse im Gang ohne Einlagen auf den Boden aufsetzten, waren es nach sechs Monaten 8 von 13 die mit deutlichem Fersenkontakt gelaufen sind.

Zwar nicht statistisch signifikant, aber immerhin tendenziell zeigte sich auch eine Abnahme des Fersenabstands zum Boden – und somit ein klinisch relevanter Effekt der sensomotorischen Einlagenversorgung.

Ebenfalls Teil der Studie war die Untersuchung, inwieweit die Gangveränderung der Spitzfußkinder auch ihre Eltern psychisch belasten. Anhand des dafür entwickelten Elternfragebogens konnte zum Ende der Studie eine deutliche Abnahme der psychischen Belastung ermittelt werden.